Kernpunkt der Empfehlungen ist die schutzgutbezogene Be-
wertung. Sie mündet in die Eingriffsbeurteilung, welche als Kombination aus verbaler Argumentation und quantitativer Ermittlung des Kompensationsbedarfs konzipiert ist. Ersteres bestimmt anhand der 12 Grundsätze zur Abarbeitung der Ein-
griffsregelung sowie der Vierstufigen Kompensationsregel ("4KR") die Art und Qualität von Eingriff und benötigter Kom-
pensation. Der Kompensationsumfang wird quantitativ durch einfaches Multiplizieren der jeweiligen Wertstufenänderung mit der betroffenen Fläche ermittelt. So ergibt sich ein Verfahren mit hoher Transparenz und Nachvollziehbarkeit für Betroffene, Verwalrungen und Behörden.

Planexterne Kompensation und Ökokonto

Ein in sich stimmiges Bewertungssystem benötigt eine Bewer-
tung der Kompensationsmaßnahmen analog zur Bewertung des Eingriffs. Sehr häufig stehen jedoch Maßnahmen, die den Eingriff schutzgut- oder gar funktionsbezogen vollständig kom-
pensieren könnten, nicht oder nicht in ausreichendem Maße zu Verfügung (Beispiel: Versiegelung von Böden mit hoher Bedeu-
tung für die Bodenfunktionen, aber geringem Biotopwert). Die Bewertungsempfehlungen erlauben hier eine schutzgut-
übergreifende Kompensation und geben auch Maßstäbe an:

Für die Beeinträchtigung einer Bodenfunktion im Umfang von 1 Hektar-Werteinheit (haWE) wird ein monetärer Wert von 4.166 Euro (kumuliert auf drei Bodenfunktionen: 12.500 Euro) ange-
setzt. Dieser Betrag stellt nun das Maß für den notwendigen Umfang an hochwertigen Maßnahmen des Biotop- und Arten-
schutzes dar, die nur eine geringe erkennbare Flächenwirkung aufweisen, wie z.B. die Beseitigung von Wanderungshindernis-
sen in Fließgewässern, das (Wieder)Herstellen von Trocken-
mauern bzw. anderen punktuellen Kulturlandschaftsbiotopen oder spezifische Artenschutzmaßnahmen.